Die Marquise von O... Eine Literaturoper

Im Jahr 2008 wurde innerhalb der Hochschule für Musik und Tanz Köln die Literaturoper Köln gegründet. Ihr Ziel: sich der Literaturoper, einer in Vergessenheit geratenen Form des Musiktheaters zu widmen. Einmal pro Jahr erarbeiten Studierende der Gesangs- und Instrumentalklassen unter der Leitung von Andreas Durban ein neues Werk, das seit dem Jahr 2009 im Rahmen des Kultur-Festivals „Sommerblut“ uraufgeführt wird.In diesem Jahr steht im „Urania Theater“ in der Platenstraße in Köln Ehrenfeld die Literaturoper „Die Marquise von O ...“ nach der Novelle von Heinrich von Kleist und die darstellerische Umsetzung des Essays „Über Das Marionettentheater“, ebenfalls von Kleist auf dem Programm.

Heinrich von Kleist ist ein literarischer Grenzgänger. 1777 in Frankfurt an der Oder geboren lebt er in einer Zeit grundlegender gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen. Es ist das Zeitalter der Aufklärung in dem die menschliche Vernunft zum Maßstab eines jeden Handelns erklärt wird, man sich von alten Denkweisen und früheren Vorstellungen löst und gegen blinden Gehorsam gegenüber der Kirche und anderen Obrigkeiten wendet. Das Bürgertum wird zur führenden Gesellschaftsschicht. 

Heinrich von Kleist bewegt sich mit seinen Werken zwischen diesen Idealen der Aufklärung und Elementen der Romantik. So reflektiert er z.B. in seinen Werken die sozialen Verhältnisse der damaligen Zeit und kritisiert dabei insbesondere die bürgerlichen Moralvorstellungen. In seiner 1807 erschienenen Novelle „Die Marquise von O.“ verspottet er die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft, in der eine uneheliche Schwangerschaft eine Schande für die ganze Familie ist und für die Frau den Ausschluss aus der Gesellschaft bedeutet – in der aber auch alles erlaubt ist, so lange es im Verborgenen geschieht.Romantische Züge erhält die Geschichte u.a. durch die Beschreibung von Gefühlen, die die handelnden Personen oft sprachlos machen und die Darstellung höchst subjektiver Empfindungen. 
In seinem Essay „Über das Marionettentheater“ setzt Kleist sich mit der ästhetischen Grundfrage, wo der ‚wahre‘ Künstler zwischen den beiden gegensätzlichen Positionen ursprünglicher Natürlichkeit und elaborierter Kunstfertigkeit anzusiedeln sei, auseinander. Herr C... trifft zufällig einen Tänzer der Oper, der während dieser Begegnung seine Weltanschauung im Gespräch über Marionetten zum Ausdruck bringt. Danach seien Marionetten, die mechanisch, ohne ihr Zutun aus ihrem Schwerpunkt bewegt werden, dem Menschen an Grazie überlegen. Diese Überlegenheit begründet er damit, dass die Puppen ohne Bewusstsein seien und „antigrav“ wären. Zur Unterstützung dieser These werden einige Geschichten dargestellt. Der Aufsatz endet mit der Behauptung, des Tänzers, dass diese Grazie nur in einem Tier oder einem Wesen ohne Bewusstsein oder mit absolutem Bewusstsein, ergo Gott, erscheine.
Die Auswahl beider Stücke von Kleist verspricht einen spannenden und unterhaltsamen Theaterabend und fügt sich thematisch ein in den Schwerpunkt des Sommerblutfestivals, der diesmal den „Körper“ in den Mittelpunkt des Festivaljahrs 2018 gestellt hat.

Literaturoper Köln // Im Rahmen des Sommerblutfestivals

  • Die Marquise von O...Über das Marionettentheater
  • Nach Heinrich von Kleist
  • 10., 11., 12. und 13. Mai 2018
  • Jeweils 20:00 UhrUrania Theater, Platenstraße 32, 50825 Köln
  • Karten bei KölnTicket und an der Abendkasse
  • Vorverkauf: 13,00 und 10,00 Euro || Abendkasse 15,00 und 12,00 Euro

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